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Nahe-Zeitung SAMSTAG, 28. DEZEMBER 2019

Opa Tell hat es faustdick hinter den Ohren
Theatergruppe Leisel entführt Zuschauer in „Die fidele Kurklinik“
So stellt man sie sich vor, die typische Kurklinik:

Nachts wird im Haus getrunken und geliebt, es gibt Party satt, und tagsüber kurieren sich die Patienten aus. Die Klinik, die die Leiseler Theatergruppe in diesem Jahr für ihre Weihnachtsaufführungen in Szene gesetzt hatte, unterschied sich da kaum vom klassischen Vorbild. Einen kleinen Unterschied gab es dann aber doch: Geliebt wurde in dem Stück auch am Tag, es gab einen „Frauenrundumbetreuer“ und zwei Damen, die sich auch mal in den Haaren lagen, als sie be- merkten, dass der „Rundumbetreuer“ nicht nur eine Frau gern- hat. Mit von der Partie waren auch ein Masseur, der es auf die Reinemachefrau abgesehen hatte. Doktor Mettwurst – Pardon, Dr. med. Wurst – wurde von Schwester Elsemarie angehimmelt, und zuguterletzt stand ein pfiffiger Opa auf der Bühne, um den ein kleiner, amüsanter Krimi gestrickt war.

Flotte Sprüche in Hülle und Fülle
„Die fidele Kurklinik“ hieß das Stück, das die Theatergruppe Leisel am Sonntag und am Mittwoch in der Vereinshalle aufführte: Eine Komödie mit flotten Sprüchen, überdrehten Figuren und einer Handlung, von der man wusste, dass am Ende, wie in den Aufführungen der Jahre zuvor, doch wie- der alles gut geht, die Bösen be- straft und die Guten belohnt wer- den. Kurzum: Es war ein Schwank ganz nach dem Geschmack der Zu- schauer. Er lag nicht schwer im Magen wie der Weihnachtsbraten, man konnte sich zurücklehnen und sich auch mal mit dem Nachbarn unterhalten, ohne den Anschluss an die Handlung zu verlieren. 160 Zu- schauer kamen zur ersten Aufführung am Sonntag vor Heiligabend, die zweite am ersten Weihnachts- tag war ebenfalls gut besucht – viel mehr Publikum kann die Vereins- halle nicht fassen. Im Mittelpunkt der Handlung stand Wilhelm Tell – der oben bereits erwähnte Opa. Er war zwar schon ein bisschen zittrig auf den Beinen, aber das hinderte ihn nicht daran, eine Sauftour mit dem „Frauenrundumbetreuer“ Gustav (Niklas Hartmann) zu machen oder mit Schwung und einer Rolle rückwärts vom Boden aufzuspringen.
Sebastian Pick spielte das betagte Schlitzohr. Pick wohnt in Hargesheim bei Bad Kreuznach und fuhr zu jeder Probe nach Leisel – 60 Kilometer einfache Fahrt, er- zählte Regisseur Horst-Gunther Dietrich am Ende der Vorstellung. Opas Schwiegertochter (Lara Sohns) wollte seinen Hof und sein Vermögen an sich reißen und schrieb deshalb ein gefälschtes Testament, laut dem er ihr alles vermachen würde. Ihren Ehemann Hugo Tell (Jonas Groß) hat sie un- ter der Fuchtel, er ließ sie gewähren. Pech nur: Opa Tell bekommt von den ruchlosen Plänen Wind, Frauenbetreuer Gustav, der im Hauptberuf Notar ist, schrieb ein zweites, für den Opa angenehmeres Testament.

Reinemachefrau wird Alleinerbin.
Als Schwiegertochter Martha und Sohn Hugo es aus Opas Zimmer stehlen wollten, sperrte der sie auf den Balkon und in die kalte Nacht aus. Später stellt sich heraus, dass Opa im Weltkrieg (vermutlich dem Zweiten, aber das wird nicht explizit gesagt) mit einer Frau eine fruchtbare Beziehung hatte, aus der in zweiter Generation Olga, die Reinemachefrau (Kristin Hart- mann) der Klinik, hervorging. Also schrieb Opa sogar ein drittes Testament, in dem Olga, seine neue Enkelin, im Mittelpunkt steht. Im Rest des Stücks dreht sich alles um die Liebe: „Frauenrundumbetreuer“ Gustav hatte es gern mit Elvira (Bianca Groß) zu tun, und Frau Huhn (Corinna Galle) mochte er ebenfalls sehr. Das führte spätestens dann zu Verwicklungen, als auch noch Gustavs Frau (Sandra Sohns) in der fidelen Kurllinik auftauchte. Die Gattin mimte zunächst das Naivchen, das ihrem Mann immer recht gibt. „Denken“, sagte der, „ist für Frauen genetisch ausgeschlossen.“ Worauf sie erwiderte: „Wie schön du das gesagt hast.“ Später, als ihr Gustavs freie Auslegung des Liebeslebens klarer wurde, hatte sie aber mit einer Ohr- feige für ihren Gatten deutlich andere Argumente.

Schwester im Liebeshimmel
Olga, die Reinemachefrau und spätere Enkelin von Opa Tell, verliebte sich glücklich in Masseur (Till Groß), und auch Schwester Elsemarie (Lara Groß) durfte schließlich im siebten Liebeshimmel mit Doktor med. Wurst (Rene Dietrich) schweben, sodass nach dem letz- ten Vorhang feststand: Ende gut, alles gut.

Nahe-Zeitung SAMSTAG, 28. DEZEMBER 2019, von Karl-Heinz Dahmer